Familienhof Sanierung in Mackenzell: Tradition trifft Moderne

Weiterbauen statt Abreißen – ein Familienhof für drei Generationen

Alte Hofreite mit verschiedenen Gebäuden
Teilung in 3 Wohngebäude
Sanierung . räumliche Umstrukturierung
Fertigstellung 2000

Projektbeschreibung

Im Rahmen der Dorferneuerung in Hünfeld-Mackenzell wurde ein historischer Bauernhof zwischen 1998 und 2002 umfassend umgebaut und zu einem Ensemble aus drei eigenständigen Wohneinheiten weiterentwickelt. Ziel war es, den Hof als gemeinsamen Lebensmittelpunkt für mehrere Generationen zu erhalten und gleichzeitig jedem Familienmitglied ein eigenständiges Zuhause zu schaffen.

Auf dem Hof der Eltern entstanden drei unterschiedliche Wohnlösungen: ein neues Einfamilienhaus für eine junge Familie, ein kleines Wohnhaus für eine der beiden Schwestern sowie eine barriereärmere Erschließung und Modernisierung der bestehenden Wohnung der Eltern.

Der Neubau entstand an der Stelle einer ehemaligen Scheune. Um die Anforderungen der Dorferneuerung zu erfüllen und den historischen Charakter des Hofes zu bewahren, blieb die hofseitige Fachwerkkonstruktion erhalten und wurde als prägende Fassadengestaltung in den Neubau integriert. Das angrenzende Fachwerkhaus wurde ebenfalls einbezogen. Da dessen Außenwände nur begrenzt gedämmt werden konnten, wurden dort bewusst Räume untergebracht, die keine dauerhaft hohen Raumtemperaturen benötigen – darunter Treppenhaus, Garderobe, Gäste-WC und Mehrzweckraum. Neue Bauteile wurden zurückhaltend gestaltet und sind als zeitgemäße Ergänzungen erkennbar, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Auch das zweite Fachwerkhaus wurde mit großem Respekt vor der historischen Bausubstanz saniert. Die charakteristischen Sandsteinbodenplatten wurden ausgebaut, nach der Herstellung einer neuen Gründung auf einer Dämmschicht wieder eingebaut und so dauerhaft erhalten. Eine Innendämmung mit Lehmputz verbessert das Raumklima, ohne den Charakter des Fachwerks zu verändern. Zur Erweiterung der Wohnfläche entstand ein eingeschossiger Anbau, dessen Gestaltung die frühere Wagenhalle des Hofes aufgreift und die Geschichte des Ortes weiterführt.

Für die Wohnung der Eltern im Obergeschoss des ehemaligen Stallgebäudes stand die Verbesserung der Erschließung im Vordergrund. Eine steile Treppe wurde durch einen vorgelagerten Treppenturm ersetzt, der einen deutlich bequemeren Zugang ermöglicht. Gleichzeitig entstand im Inneren ausreichend Platz, um das Badezimmer großzügig zu erweitern und den Eingangsbereich funktional neu zu organisieren.

Die Neubauten wurden in massiver Bauweise errichtet, während bei den Bestandsgebäuden die vorhandene Fachwerkkonstruktion erhalten, instand gesetzt und behutsam ergänzt wurde.

Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie historische Hofanlagen an heutige Wohnbedürfnisse angepasst werden können. Bestehende Gebäude und Materialien wurden konsequent weiterverwendet, neue Architektur respektvoll ergänzt und ein Familienhof geschaffen, der Gemeinschaft ermöglicht und gleichzeitig jedem Bewohner ausreichend Privatsphäre bietet.

Planungsgedanke

Nicht jedes Gebäude muss durch einen Neubau ersetzt werden. Oft steckt gerade in bestehenden Hofanlagen ein enormes Potenzial.

Mich interessiert dabei nicht nur der Erhalt einzelner Gebäude, sondern die Frage, wie gewachsene Orte auch für kommende Generationen lebendig bleiben können. Wenn bestehende Bausubstanz sinnvoll weitergenutzt, ergänzt und an heutige Bedürfnisse angepasst wird, entstehen Lebensräume mit Charakter, Geschichte und einer Nachhaltigkeit, die weit über die Wahl einzelner Baustoffe hinausgeht.

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