Projektbeschreibung
In Hünfeld, am Rand der Kuppenrhön, entstand für eine vierköpfige Familie ein Einfamilienhaus mit Garage, großzügigen Terrassenbereichen und einer ganzheitlich geplanten Außenanlage. Von Beginn an war es das Ziel, ein modernes Wohnhaus zu schaffen, das sich zugleich selbstverständlich in die regionale Baukultur einfügt.
Die Bauherrschaft wünschte sich ein Haus in Massivholzbauweise und verband moderne Architektur zunächst mit einem Flachdach. Gleichzeitig sollte Sichtbeton als prägendes Gestaltungselement im Gebäude sichtbar werden. Die örtliche Gestaltungssatzung ließ jedoch ausschließlich geneigte Dächer mit mindestens 38° Dachneigung und einer roten Dacheindeckung zu.
Die Herausforderung bestand deshalb darin, eine zeitgemäße Architektursprache zu entwickeln, ohne die Vorgaben der Gestaltungssatzung zu umgehen oder gegen sie anzukämpfen.
Als Lösung entstand ein klar gegliederter Baukörper mit Satteldach und reduzierter Formensprache. Die Nebenfunktionen wie Garage, Hauswirtschaftsraum und Lagerräume wurden in einem flach gedeckten Anbau zusammengefasst. Durch die Verlängerung des Garagendachs entstand gleichzeitig eine großzügige, geschützte Terrassenüberdachung, die den Wohnbereich harmonisch in den Garten erweitert.
Auch die vorgeschriebene rote Dachfarbe wurde gestalterisch aufgegriffen. Anstelle einer isolierten Dacheindeckung bildet die rote Holzverschalung des Nebengebäudes einen bewussten Bestandteil des architektonischen Gesamtkonzepts und verbindet Haupt- und Nebengebäude miteinander.
Ein zentrales Gestaltungselement ist eine durchgehend sichtbare Sichtbetonwand mit sägerauer Schalungsstruktur. Sie beginnt bereits im Vorgarten, begleitet Besucher durch den Eingangsbereich bis in den Wohnraum und setzt sich von dort als Sichtschutzwand in den Garten fort. An den Durchdringungen der Außenwände angeordnete Fenster machen ihren Verlauf auch von außen erlebbar und schaffen spannende Blickbeziehungen zwischen Innen- und Außenraum.
Die Außenanlagen wurden von Anfang an als Teil des Gesamtkonzepts mitentwickelt. Ziel war ein individueller Garten mit hoher Aufenthaltsqualität und geringem Pflegeaufwand – bewusst ohne versiegelte oder geschotterte Flächen.
Das Wohnhaus wurde in Massivholzbauweise realisiert. Die Bauherrschaft entschied sich aufgrund der wohngesunden Eigenschaften des Baustoffs sowie der langjährigen Erfahrung des eingespielten Planungsteams aus Norman Heimbrodt Architekt und Herrmann Massivholzhaus für diese Bauweise. Die gewünschten Sichtbetonelemente wurden dabei gezielt als architektonischer Kontrast eingesetzt.
Das Projekt zeigt, dass moderne Architektur nicht von der Dachform abhängt. Entscheidend ist ein schlüssiges Gesamtkonzept, das die Wünsche der Bauherrschaft, die Anforderungen des Ortes und die geltenden Rahmenbedingungen zu einer eigenständigen Lösung verbindet.
Planungsgedanken
Gestaltungssatzungen werden häufig als Einschränkung empfunden. Ich sehe sie eher als Entwurfsaufgabe.
Nicht jede moderne Architektur benötigt ein Flachdach oder große Glasflächen. Oft entstehen gerade innerhalb klarer Rahmenbedingungen besonders individuelle Lösungen. Ziel dieses Projekts war es, die regionale Baukultur weiterzudenken und ein zeitgemäßes Wohnhaus zu entwickeln, das sich selbstverständlich in seine Umgebung einfügt und dennoch eine eigene Identität besitzt.





