Projektbeschreibung
Mit der „Skite des Heiligen Spyridon“ entstand in der Rhön das spirituelle Zentrum eines orthodoxen Klosters. Die Kirche dient Mönchen, Pilgern und Besuchern als Ort des Gebets und der Begegnung und wurde als Neubau errichtet, nachdem die bestehenden Räumlichkeiten den wachsenden Besucherzahlen nicht mehr gerecht werden konnten.
Die Bauherrschaft wünschte sich ursprünglich eine traditionelle, massiv errichtete Kirche nach dem Vorbild der Klosterkirche von Gradac in Serbien aus dem späten 13. Jahrhundert. Ziel der Planung war es, die charakteristische Architektur einer orthodoxen Kreuzkuppelkirche zu bewahren und gleichzeitig eine zeitgemäße, nachhaltige und wirtschaftliche Bauweise zu finden.
Im Rahmen der Konzeptentwicklung entstand die Idee, die Kirche vollständig in Massivholzbauweise zu errichten. Dazu wurde das historische Vorbild vor Ort analysiert und die gewonnenen Erkenntnisse auf die Anforderungen eines modernen Sakralbaus übertragen. Die Umsetzung erfolgte gemeinsam durch den Architekten und dem Holzbauunternehmen Herrmann Massivholzhaus.
Der Grundriss folgt der traditionellen Form einer Kreuzkuppelkirche. Ein zentraler, quadratischer Hauptraum bildet das Herzstück des Gebäudes. An ihn schließen sich die Seitenschiffe sowie der nach Osten ausgerichtete Chor mit seinen Apsiden an. Über dem Mittelraum erhebt sich die prägende Kuppel, die dem Gebäude seine unverwechselbare Silhouette verleiht und den sakralen Charakter des Innenraums bestimmt.
Eine besondere Herausforderung bestand darin, die komplexe Geometrie der historischen Vorbilder mit den Möglichkeiten des modernen Holzbaus zu verbinden. Die große Kuppel, die Rundbögen, die Apsiden und zahlreiche nicht rechtwinklige Anschlüsse verlangten individuelle konstruktive Lösungen. Gleichzeitig orientierte sich die Entwurfsplanung an den Proportionen des Goldenen Schnitts, um die für historische Sakralbauten typische Harmonie und Ausgewogenheit zu erreichen.
Errichtet wurde die Kirche mit dem Massivholz-Mauersystem (MHM). Trotz der hohen Vorfertigung konnten die charakteristischen Eigenschaften des Baustoffs Holz vollständig genutzt werden. Die Konstruktion vereint Tragfähigkeit, Wohngesundheit, Nachhaltigkeit und eine hohe Energieeffizienz. Für den Bau wurden rund 300 m³ heimisches Fichtenholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft der Rhön verarbeitet.
Besonders bemerkenswert ist die Verbindung von jahrhundertealter Sakralarchitektur mit moderner Holzbautechnologie. Das Ergebnis ist kein historischer Nachbau, sondern eine zeitgemäße Interpretation orthodoxer Kirchenbaukunst, die traditionelle Formen, handwerkliche Präzision und nachhaltiges Bauen auf einzigartige Weise miteinander verbindet.
Besondere Herausforderung
Der Entwurf und die Realisierung einer orthodoxen Klosterkirche gehörten zu den außergewöhnlichsten Aufgaben meiner bisherigen Tätigkeit.
Anders als bei einem Wohnhaus oder Bürogebäude standen hier nicht nur funktionale Anforderungen im Vordergrund. Die Architektur sollte den spirituellen Charakter der orthodoxen Liturgie unterstützen und gleichzeitig die jahrhundertealten Gestaltungsprinzipien orthodoxer Sakralbauten respektieren.
Hierfür wurde das historische Vorbild der Klosterkirche von Gradac in Serbien intensiv untersucht und auf die Anforderungen eines zeitgemäßen Kirchenbaus übertragen. Ziel war es nicht, ein historisches Gebäude zu kopieren, sondern dessen architektonische Idee in eine moderne und nachhaltige Bauweise zu übersetzen.
Die Verbindung traditioneller Sakralarchitektur mit moderner Massivholzbauweise erforderte eine enge Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft, Holzbauingenieuren, Handwerkern und Planung. Das Ergebnis ist eine Kirche, die sich in ihrer Formensprache an der orthodoxen Bautradition orientiert und gleichzeitig die Möglichkeiten des modernen Holzbaus sichtbar macht.





